Wir singen falsch, da kann er
machen was er will... Und wem das noch
nicht reicht, der bekommt jetzt noch eine Kurzbeschreibung meiner
letzten Tour mit Bardo.
Begonnen hat es am Telefon und dann am 18. Mai nochmal in Dresden und
Berlin. Getroffen habe wir uns in Frankfurt an der Oder. Nachdem wir
die brüllende Grenze übertreten hatten konnten wir uns mit
Handzeichen kurzerhand über die weitere Zielsetzung
verständigen. Kantor, P98, Sklep und weg hier. Wir fuhren auf den
Wiesen der Oder stromaufwärts. Die späte Nachmittagssonne
lieferte ideale Bedingungen zum Wohlfühlen. Auch die Karren
hatten, glaub ich, ihren Spaß. Ohne Murren tuckerten sie durch
die weiten Wiesen bis wir, schon im halbdunkel, unter einer Eiche unser
Lager aufschlugen. Dazu hatte ich eine Baumarktplane mitgebracht, eine
Alu- Isomatte, und 500 g Schlafsack. Vorher freuten wir uns aber noch
an dem Büffelschnaps aus dem Sklep und ich an der Mocne (Rauchen)
und da war es auch schon dunkel und es gab kein Holz. Während
Bardo die kleinen Sachen, die er aus dem Rasen gepult hatte, in Rauch
aufgehen ließ, verließ ich noch mit dem Kraftfahrzeug den
heimlichen Herd um in dem entlegenen Forst nach Holz zu fahren. Mit
Licht sieht man weniger als ohne, und so ließ sich eine frisch
geschlagene Kiefer und einiger Kleinkram bald zusammenbinden und durch
das hohe Gras zum Bardo schleifen. Was es letztlich aber gebracht hat
waren einige tote Äste die wir aus den großen Eichen
brachen. Drum musste Bardo auch in völliger Finsternis in die
Wipfel klettern um dort die Spanngurte zu befestigen. Eine kleine
Säge hätte uns genützt.
Jetzt aber schnell die Hühnerbeine raus, die noch hart gefroren
den Schnaps gekühlt hatten. Jetzt wurden sie gespiesst und ewig
gewärmt, bis sie endlich doch roh den knurrenden Magen
füllten. Die Nacht sollte trocken werden und so mussten wir die
Plane nicht spannen, krochen nach diesem schönen Abend in die
Schlafsäcke.
Am nächsten morgen gab's frischen Wind und strahlenden
Sonnenschein. Es war kalt. Wir tranken etwas Wasser, assen etwas Ser
(Käse) mit Brot und nach packen und in Ruhe quatschen,
photographieren und rauchen kamen wir am frühen Vormittag
zum Kick. Wir sackten ziemlich weit ein in die Sitzhbank, die Pfoten
wollen sich nicht so gern um den Gasgriff biegen lassen- sind halt
nicht mehr viel gewohnt- Kerle! Wir finden nach einigen Kilometern
stromauf eine risiege Kieshalde. Ich ziehe am Gas, aber es passiert
nicht viel. Der 60% ige MT21 soll mit mehr Gefühl angesprochen
werden und das fällt mit an diesem Morgen schwer. Die schwer zu
dosierende Power der KTM trägt einenTeil zum Stress für
Mensch und Maschine bei. Ich komme in diesem Gelände einfach nicht
zurecht, fahre mich fest oder kippe einmal bergab um.Viel hilft nicht
viel, jedenfalls nicht in Sachen Leistung. Art und Dauer der Dosierung
muss auch noch besser ausprobiert werden. Als wir endlich aus dem
Haufen fortkommen bemerkt Bardo seinen verölten Hinterreifen. Die
Schrauben von dem gurkigen Ott- Seitendeckel haben sich wieder
gelöst. Nein es war kein Loch drin. Er hat auch ein bisschen
Öl mit und so können wir den Verlust gleich ausgleichen. Wie
immer finden sich einige Männer vor dem Sklep um unsere
Motorräder zusammen und stellen die gleiche Frage wie schon damals
als wir mit den Tesis wanderten. Wie schnell- skolko? Und gewettet auf
ein Bier wird um die Frage, ob wir in dinsda nach rechts oder nach
links fahren. Die Dörfer an der Oder sind richtig schön
gelegen, total verträumt-mann kann nur langsam hindurch fahren.
Fährt man zu schnell bringt man dort die Ruhe aus der Ruhe...
Als endlich die Oder nach Osten abbiegt kommen wir zu einer Fähre,
warten eine Stunde und kümmern uns noch mal um die Schrauben, die
sich immer wieder lösen. Es tropft schon- ich bewundere Bardos
Gelassenheit. Während dieser Stunde gesellt sich noch ein Auto auf
die Fähre. Immerhin wartet auf der anderen Seite auch eins. Hier
ist keiner. Auf den Wiesen haben wir uns ja schon gewundert- kein
Fahrrad mit Angler, keine ächzende Jawa mit Angler, kein
Fußgänger oder Jäger, nichtmal ein Boot!
Die Neisse gibt uns nicht viel, fliesst eher wie ein Kanal dahin. Wir
fahren landeinwärts in eine Kiefernheide und halten uns an einem
breiten Tal nach Südost. Wir streben die verschiedenen Wege oder
trailen nach dem Kompass durch den Wald bis wir auf einen geeigneten
Weg treffen. Nur knapp entgehen wir einem Desaster weil der Ölstab
an der XT nicht fest geschraubt war und sich, eisern wie er ist, eine
lange, staubige Driftpassage in seinem Loch rumschnuppelte und nicht
heraus fiel. In Forst verließen wir Polen, fuhren noch durch eine
deutsche Heide ("Waldweg gesperrt") gesäumt von
Müllabladungen bis Bad Muskau. Nach einem Kaffee trennten sich die
Wege. Ich hatte noch 2.45h bis Vortsellungsbeginn und Bardo 220 km bis
Berlin mit tropfendem Motor. Er hat noch einen halben Liter
durchgebracht.
Tape. Martin